Persönliche Entwicklung November 02, 2019

4 Tipps für den Umgang mit Arbeitsfreundschaften

Streben Sie eine bedeutende Tätigkeit und eine bessere Position an? Meinen Sie, dass Sie dadurch glücklicher werden? Wenn ja, unterschätzen Sie vielleicht etwas Wesentliches: die Bedeutung von Beziehungen am Arbeitsplatz. In einem vor wenigen Monaten erschienenen HBR-Artikel wird auf Interviews mit 160 Menschen verwiesen, die in unterschiedlichen Branchen und Positionen tätig sind. Ziel war es herauszufinden, was die Arbeitszufriedenheit beeinflusst. Interessanterweise wurde dabei festgestellt, „dass Menschen mit profanen oder anspruchsvollen Tätigkeiten genauso wahrscheinlich zufrieden und erfüllt sind wie Menschen mit attraktiven oder inspirierenden Tätigkeiten, wenn sie in sinnstiftende Beziehungen investieren“. Untersuchungen von Gallup bestätigen das; Arbeitsfreundschaften korrelieren demnach mit höherer Personalzufriedenheit.

Beziehungen sind also ein magischer Faktor. In einer Zeit, in der Motivation sowohl aus der Karriere als auch aus dem privaten Wohlbefinden kommt, sind gesunde Arbeitsbeziehungen wichtiger denn je. Allerdings ist es mit Arbeitsbeziehungen und Bürofreundschaften gar nicht so einfach – die Umstände können kompliziert erscheinen und besondere Herausforderungen aufwerfen, die man bei privaten Interaktionen nicht zu erwarten hat. Letztlich können Arbeitsbeziehungen und Bürofreundschaften auch scheitern.

Was ist mit Blick auf das Knüpfen und Aufrechterhalten von Beziehungen bei der Arbeit also zu beachten?

1. Wählen Sie Ihre Freunde mit Bedacht

Sie müssen nicht um des Nutzens willen mit allen im Büro perfekt zurechtkommen. Nicht jeder ist der richtige Kandidat für eine Freundschaft. Achten Sie auf Warnzeichen bei Einstellungen und Verhaltensweisen – Unehrlichkeit oder auch unlautere Vorteilsnahme sind Beispiele dafür. Augenscheinlich ist es leicht, im Büro Freundschaft zu schließen, da man so viel Zeit miteinander verbringt, tatsächlich ist das Büro aber kein ideales Umfeld für das Entstehen dauerhafter Verbindungen. Letzten Endes könnten Ihre Interessen mit denen Ihrer Kollegen in Konflikt stehen. Eventuell müssen Sie einmal Ihre Meinung durchsetzen, auch wenn Ihre Kollegen dagegen sind. Nehmen Sie sich also Zeit, und beobachten Sie das Geschehen aufmerksam, bevor Sie den Schritt vom freundlich-kollegialen Umgang zur engen Freundschaft machen. Im Allgemeinen ist es einfacher, sich mit Menschen anzufreunden, mit denen man Gemeinsamkeiten hat. Auch neigt man dazu, sich eher von denjenigen beeinflussen zu lassen, die man als ähnlich zur eigenen Person wahrnimmt. Wenn man versucht, Verbindungen zu Kollegen aufzubauen, mit denen man sehr wenig gemeinsam hat, sind diese Verbindungen oft am fragilsten. Seien Sie beim Aufbauen und Aufrechterhalten von Arbeitsfreundschaften also realistisch.

2. Bleiben Sie immer professionell

Wenn Sie und Ihr Kollege sich gegenseitig beistehen, ist das prima; vermeiden Sie dabei aber Bevorzugung und zu viel Klatsch und Tratsch. Sie müssen erkennen, ab wann die Interaktion mit dem Bürofreund zu einer Ablenkung wird, die Sie von der Arbeit abhält. Seien Sie auch vorsichtig, wenn die Arbeitsfreundschaft ehrlichen Rückmeldungen im Weg steht, weil Sie den Freund nicht verärgern möchten, oder wenn andere Kollegen durch diese Freundschaft davon abgehalten werden, ihrerseits eine Beziehung zu Ihnen aufzubauen oder diesen Beziehungsaufbau zuzulassen.

Wichtig ist es zudem, Arbeitsfreunde nicht in die Details Ihrer Leistungsbeurteilungen einzuweihen und allenfalls in begrenztem Maße Privatangelegenheiten zu erwähnen, die Ihnen bei der Arbeit Probleme bereiten könnten. Zu viel Nähe zu einem Arbeitsfreund kann dazu führen, dass dieser Freund irgendwann ein Quäntchen zu viel über Sie weiß. Sie müssen Ihrem Bürofreund nicht Ihre größten Geheimnisse oder Ihre langfristigen Ziele anvertrauen. Wenn Sie jemanden für einen Freund halten und sich später herausstellt, dass diese Einschätzung falsch war, könnten Sie das entgegengebrachte Vertrauen bereuen. Professionelle Distanz kann insofern hilfreich sein.

3. Beschränken Sie Ihre Sozialkontakte nicht auf die Arbeit

Wenn sich in Ihrer Bürokultur viel um die Menschen dreht und der Aufbau enger Beziehungen am Arbeitsplatz gern gesehen wird, haben Sie vielleicht das Gefühl, dass Ihre Kollegen Sie am besten verstehen. Die Kollegen werden zu einer Art Familie, weil sie in derselben Arbeitsumgebung agieren. In der Tat können Ehepartner, Verwandte sowie Freunde außerhalb der Arbeit sicher nicht immer nachvollziehen, was Ihre Arbeit ausmacht. Man braucht Beziehungen außerhalb der Familie, und genauso braucht man auch Freunde außerhalb der Arbeit. Freunde, die nicht aus Ihrem Arbeitsumfeld kommen, interessieren sich für Sie und helfen Ihnen, die Bodenhaftung zu behalten. Solche Freunde werden Sie darauf ansprechen, wenn es den Anschein hat, dass Ihre Arbeit sich für Sie ungesund entwickelt.

4. Bedenken Sie veränderte Machtdynamiken

Die Dynamik einer Arbeitsfreundschaft verändert sich, sobald eine Beförderung im Raum steht. Wenn Ihr Bürofreund auf einmal Ihr Vorgesetzter ist, weckt das bei Ihnen verschiedenste Emotionen – es wird schwer, sich der neuen Situation ohne Neid zu stellen. Denken Sie in so einem Fall auch daran, wie Sie selbst im Alltag von der Beförderung Ihres Freundes profitieren könnten. Erinnern Sie sich an das, was Sie gemeinsam besprochen haben und ändern wollten, als sie noch gleichgestellte Kollegen waren. Da Ihr Freund nun eine Position mit mehr Macht innehat, kann er vielleicht einige Änderungen einführen.

Wenn Sie derjenige sind, der befördert wurde, sodass Sie nun als Vorgesetzter für Ihren Bürofreund und andere frühere Gleichgestellte zuständig sind, müssen Sie Ihre Verhaltensweisen und Interaktionen anpassen, um nicht in Konflikt mit Ihrer neuen Position zu geraten. Es darf nicht der Eindruck entstehen, Sie würden in einem Umfeld der Günstlingswirtschaft einigen Mitarbeitern Privilegien zugestehen oder Fehlverhalten durchgehen lassen. Sie wissen, dass allzu vertraute Beziehungen Ihre Glaubwürdigkeit beschädigen können. Besprechen Sie deshalb mit Ihren neuen Teammitgliedern ganz klar Ihre neue Position und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten. Dadurch werden automatisch einige Grenzen abgesteckt. Wahrscheinlich werden sich einzelne Ihrer Bürofreundschaften verändern: Manche Kollegen ziehen sich vielleicht etwas von Ihnen zurück. Gespräche könnten einen anderen Charakter bekommen und Einladungen zu Feierabend-Drinks ausbleiben. Sollten Sie sich isoliert fühlen, schaffen Sie einen Ausgleich durch das Knüpfen neuer Beziehungen zu anderen Vorgesetzten. Sie könnten auch versuchen, sich jede Woche mit jemand anderem aus Ihrer Branche zu einem Austausch zu verabreden.

Arbeitsfreundschaften machen den Arbeitsalltag angenehmer, sind zudem aber auch gesund und wichtig für Erfolg und Wohlergehen. Wenn man sich die soziale Dynamik am Arbeitsplatz und auch die Notwendigkeit einiger Grenzen bewusst macht, profitieren Mitarbeiter und Unternehmen von einer Kultur, die den Beziehungsaufbau fördert.

Warnzeichen in Bezug auf das Eingehen intensiverer persönlicher Verbindungen am Arbeitsplatz:
• Ihr Kollege, dem gegenüber Sie etwas im Vertrauen preisgegeben haben, hat offenbar alles im Büro herumerzählt.
• Ihr Kollege macht Ihre Leistungen klein oder scheint nicht zu wollen, dass Sie (zu) erfolgreich sind.
• Ihr Kollege ist sehr darauf aus, seinen eigenen Bereich zu schützen, und fühlt sich schnell bedroht; er zeigt keine Offenheit für Informationsaustausch und Diskussionen.
• Ihr Kollege ist gewissermaßen toxisch; er hat eine sehr negative Einstellung oder beschwert sich dauernd.

 

To be happier at work invest more in relationships
Why office friendships an feel so awkward

Von Susanne Barth, Publications Manager bei Krauthammer 

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