Krauthammer

  • Vorsicht vor den Frank Underwoods dieser Welt!

Vorsicht vor den Frank Underwoods dieser Welt!

Beware of the Frank Underwoods

Author

Jos Dames

Jos Dames

Consultant

Was wir von beliebten Serienhelden lernen können

Beware of the Frank Underwoods!  
 „Aufgabenorientiert“; "narzisstisches Verhalten“ – zwei Schlüsselbegriffe aus den kurzen Verhaltensanalysen, die drei Consultants über ihre Lieblingsfernsehfiguren geschrieben haben. Welche psychologischen Merkmale erkennen Sie in Ihrem Umfeld wieder?

 

Etwa um das Jahr 2005 herum nahm die Qualität von Fernsehserien plötzlich stark zu. Drehbücher und Schauspielerleistungen verbesserten sich drastisch; man erfand facettenreiche Figuren, bei denen man intensiv mitfühlt. Dieser neue TV-Realismus inspirierte drei Krauthammer-Consultants dazu, sich mit der Persönlichkeit und dem Verhalten von komplexen fiktionalen Figuren zu beschäftigen.

Lesen Sie, welche Serienpersönlichkeiten und -situationen für diskussionswürdig erachtet wurden:

 

Jos Dames, Young Professional, über Carrie Mathison aus Homeland:    

Carrie ist die Hauptfigur in Homeland. Die CIA-Agentin hat den Auftrag, ihre Heimat (die USA) vor Terroranschlägen zu schützen. Sie leidet an einer bipolaren Störung, sodass es nicht leicht ist, ihre Persönlichkeit einzuschätzen. Allerdings nimmt Carrie das Arzneimittel Clozapin ein, um ihre Bipolarität im Griff zu haben, und ihr dann folgendes Verhalten ist faszinierend.

Carrie handelt ganz klassisch aufgabenorientiert. Sie konzentriert sich voll auf Einsätze, Ziele und Resultate. Sie ist fleißig, ehrgeizig und erfolgreich. Ihre Arbeitsmoral ist jedoch nicht nur ihr größtes Kapital, sondern auch ihr größtes Problem – so etwas gibt es oft bei aufgabenorientierten Menschen. Im Gespräch über die CIA sagt Carries Mentor Saul Berenson zu ihr: „This is your life.“ (Dies ist dein Leben.) Wie sehr sie sich auch anstrengt, neben der Arbeit ein Privatleben zu führen – es gelingt ihr niemals wirklich, denn ihr Schwerpunkt liegt immer voll auf den anstehenden Aufgaben.

Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, handelt Carrie schnell und entschlossen. Sie verlangt energische Maßnahmen und hat nur wenig Geduld mit denen, die andere Ansätze verfolgen. Üblicherweise untersteht ihr ein Team von Mitarbeitern, und unter ist dabei wirklich das Schlüsselwort. Carrie setzt auf einen direkten Führungsstil: Sie sagt Mitarbeitern, was sie tun sollen, statt sie bei Entscheidungen partizipieren zu lassen. Dieser Führungsstil ist häufig sehr effektiv für sie; schließlich arbeitet sie ja auch für die CIA. Ihr Ansatz wirkt jedoch manchmal kaltherzig und abgehoben.

Carrie kann tatsächlich recht kühl sein. Sie zeigt wenig Toleranz für die Gefühle und Denkweisen anderer und legt auch kaum Wert auf Ratschläge. Insbesondere ignoriert sie ständig den gut gemeinten Rat ihrer Schwester Maggie, die im Gegensatz zu Carrie ein sehr fürsorglicher, leidenschaftlicher Mensch ist. Auch Carrie sind einige Aspekte durchaus wichtig, aber ihre Leidenschaft hat vor allem mit ihrem Beruf zu tun. Genau dadurch ist sie so effektiv und erfolgreich, andererseits jedoch auch gestresst und isoliert.

 

Ioannis Lagoudakis, Partner, über Don Draper aus Mad Men:

Mad Men ist eine Dramaserie über eine renommierte Werbeagentur in New York. Die Handlung spielt Anfang der 1960er-Jahre. Im Mittelpunkt steht Don Draper – er gehört zu den geheimnisvollsten Werbefachleuten in der Agentur, gleichzeitig ist er aber auch äußerst talentiert.

Schauen wir mal, wie gut die letzte Staffel von Mad Men zu den Krauthammer-Prinzipien passt …

Was schlagen Sie vor?

In einer der letzten Folgen bitte Peggy Don um ein Beurteilungsgespräch. Don fragt zunächst nach, wie Peggy sich ihre Zukunft vorstellt. Peggy ist irritiert, weil sie keine konkrete Rückmeldung erhält; zudem fürchtet sie, dass ihr eine neue Idee gestohlen werden könnte. Sie stürmt aus dem Zimmer.

Es war ein guter Zug von Don, bei Peggy nachzufragen, was sie in Bezug auf ihre Leistung für wichtig hält, was sie spannend findet und wie ihrer Meinung nach die nächsten Schritte zur Weiterentwicklung aussehen sollten. In einem Gespräch zur Leistungsbeurteilung darf aber nicht vergessen werden, die Fragen durch genaues Feedback zu beobachteten Verhaltensweisen und positiven Ergebnissen zu ergänzen.

Vertrauen und Befähigung

Was tat Don, als er aus dem Unternehmen gedrängt worden war und beschlossen wurde, dass Peggy die Kundenpräsentation halten soll? Peggy zögerte, und er machte ihr Mut. Er erläuterte ihr, dass es ganz klar ihr Sieg sein würde, wenn der Kunde überzeugt wird. Sie könnte dann weiter den „Burger King“-Etat betreuen, statt ihn an ihre Vorgesetzten abzugeben. Peggy hatte Angst, dass sie es nicht schaffen würde. Don erinnerte sie daran, dass sie es schon tausendmal zuvor geschafft hatte. Für Befähigung braucht es Vertrauen, und Vertrauen basiert auf konkreten Tatsachen.

Willkommener Wandel

Die letzte Szene von Mad Men zeigt Don beim Meditationsgesang mit Gleichgesinnten. Der Anführer spricht davon, dass der neue Tag auch neue Hoffnung bringt. Er spricht von dem gelebten Leben und dem noch zu lebenden. Von einem neuen Tag, neuen Ideen und einem neuen Ich. Ja, Don ist schon oft gescheitert und dann wieder aufgestanden, treibend in der Simulation eines idealisierten Lebens, zu dessen Schaffung er im Namen des Kommerzes beiträgt. Am Ende der Serie wird ihm jedoch klar, dass das verlorene Paradies, das er für sich und seine Lieben angestrebt hat, kein Einzelereignis ist wie eine Präsentation vor Kunden und auch kein Ziel, sondern vielmehr ein Prozess an sich, ein Zyklus der Erneuerung. Nichts außer dem Wandel hat Bestand. Mit dieser Erkenntnis bricht er zu seiner neuen Reise auf.

 

Christian Fölster, Consultant, über Frank Underwood aus House of Cards:   

Der Kongressabgeordnete Frank Underwood ist die Hauptfigur von House of Cards, einer beliebten und sensationellen Netflix-Serie mit Kevin Spacey. Er widmet all seine Energie, Zeit und Intelligenz einem einzigen Lebenszweck: der ultimativen Macht um jeden Preis. Andere zu manipulieren und zu beeinflussen bereitet ihm ein enormes Vergnügen. Nach dem Motto „Demokratie ist überbewertet“ intrigiert, lügt und taktiert er. Sein Tummelplatz ist die politische Szene von Washington D.C. Er ist erschreckend erfolgreich, weil er es dank seines überlegenen Intellekts meisterhaft versteht, die Menschen um sich herum für sich zu nutzen. Unterstützt wird er durch seine Frau, die nicht weniger skrupellos ist und seine Machtgier teilt.

Was House of Cards so besonders macht, ist nicht nur die spannende Handlung und die hervorragende schauspielerische Leistung, sondern auch die gezeigte Rücksichtslosigkeit und die Beschreibung des explizit pathologisch narzisstischen Verhaltens. Frank Underwood betrachtet das Leben lediglich als Schachspiel (das er ziemlich gut beherrscht); Mitgefühl für andere fehlt ihm völlig.

Bei unserer Arbeit haben wir häufig mit schwierigen Menschen zu tun. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge müssen wir alle mit mindestens einem Psychopathen in unserem Leben zurechtkommen. Bei einer normal zusammengesetzten Bevölkerung macht der Anteil der Psychopathen rund 4 Prozent aus. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass dieser Wert im geschäftlichen Umfeld mitunter höher ist – es könnte also sein, dass nicht nur Ihr Nachbar ein Psychopath ist, sondern auch Ihr Kollege oder Chef.

Sollten Sie meinen, dass ein Frank Underwood mit Ihnen zusammenarbeitet, ist es sinnvoll, zunächst sein Verhalten zu analysieren. Wodurch könnte es motiviert sein? Ist er wirklich der Mensch, für den er sich ausgibt? Seien Sie vorsichtig mit allen, die sich die ethischen und moralischen Regeln zurechtbiegen. Das Einhalten einer gesunden Distanz ist in so einem Fall die beste Lösung.

 

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